Sprachendienst Stephan Friess

So, das klingt doch wieder interessant. Ich soll also die Mitarbeiter eines schweizer Unternehmens einen Tag lang betreuen und für die Gruppe dolmetschen. Aber in welcher Sprache denn bloß? Wenn ich nur wüßte, ob diese polyglotten Schweizer aus der französischen oder der deutschen Schweiz kommen. Womöglich sprechen Sie sogar Italienisch oder Rätoromanisch, was ich beides "nicht so perfekt" beherrsche? Eine kurze Nachfrage beim Auftraggeber ergab, daß die Gäste aus Vaduz kommen. Na, da habe ich schon ein wenig "vaduzt" geguckt.


Neulich im Freibad Fischbach, in dem ich einen Teil meiner Zeit als Rettungsschwimmer der DLRG verbringe, sprach mich eine üppige italienische Badegästin an, die ihren Schwimmstil im Kraulen verbessern will: "Brust hatte ich schon in der Schule. Aber bieten Sie bei der DLRG auch Kurse in Brustkraulen an?" Kurse??? Einzelstunden!!!


In Swansea an der walisischen Kanalküste wurde dem Schwerlastverkehr die Durchfahrt in ein Wohngebiet untersagt. Dies ging jedoch nur aus dem englischen Teil des Hinweisschildes hervor. Die walisische Version lautete "Ich bin im Moment nicht im Büro. Schicken Sie Texte zur Übersetzung." Dies war die automatische Abwesenheitsnotiz des unbesetzten Übersetzungsbüros, welche die Beamten bereits für die fertige Übersetzung hielten. Mit Sicherheit war die Freude groß, daß die Übersetzungsagentur diesmal so schnell gearbeitet hat.


Bei Gründung der "Republik Tanganjika" im Jahre 1962 wurde ein "organic act" verabschiedet, entsprechend dem Gesetz des US-Kongresses, das Territorien definiert, die keine Selbstverwaltung haben und auch sonst zu keinem Bundesstaat gehören. Mangels eines russischen Wortes mußte der Dolmetscher auf das Do-it-yourself, also eine Lehnübersetzung, zurückgreifen und bastelte sich blitzschnell den "organischeski akt", wie man den Akt zweier Menschen bezeichnet, die sich sehr lieb haben.


Steht bei Ihnen zu Hause im Schrank auch einen Flakon "Rockford" des Bedufterers "Atkinsons"? Dann haben Sie ihn hoffentlich nicht in Frankreich gekauft. - Ich stelle mir schon die Verkäuferin im Sephora vor, die Sie mit großgeschminkten Augen anschaut: "Roquefort, Madame?" Désolée, aber diese Fragrance führen wir nicht."


Vor einer Versammlung der Vereinten Nationen betonte ein afrikanischer Abgesandter den Weg Afrikas in die Moderne: "L'Afrique n'érige plus des autels aux dieux (Afrika errichtet keine Altäre mehr für Götter)". Der Dolmetscher verstand, wohl noch unter dem Einfluß der vorangegangenen Stadtrundfahrt, "L'Afrique n'érige plus des hôtels odieux", was die Debatte in eine ungeahnte Richtung lenkte.


Ein Kunde, der einen Webshop betreibt, wollte das "Sale"-Banner, das alle Sonderangebote im Shop hervorhebt durch ein schönes deutsches Wort ersetzen: "Preisvorteil" Leider hatte der Hersteller der Shopsoftware mit dem Platz gespart, der hierfür zur Verfügung stand. Die gute Nachricht: Das Wort wurde nicht automatisch am Ende abgeschnitten, wie ich es fast erwartet hatte. Die schlechte Nachricht: Es wurde am Anfang abgeschnitten. Ein eindeutiger Reisvorteil. Wir haben uns wieder für "Sale" entschieden. Manchmal wird es einem wirklich schwer gemacht, Deutsch zu reden.


Viel zu sehen gibt es im Zeppelin-Museum. Damit auch die zahlreichen ausländischen Besucher verstehen, worum es sich bei den ausgestellten Objekten handelt, gibt es in den liebevoll gestalteten Vitrinen auch fremdsprachige Erklärungen. Meist findet der Kulturwillige zuerst die deutsche Version, dahinter die englische Übersetzung, die besonders bei fachspezifischen Dingen wie IT des letzten Jahrhunderts meist sehr hilfreich ist.
Nette englische Übersetzung im Zeppelin-Museum


Übersetzer für Französisch in Hagnau